Würfelspieler

Würfelspieler

Die Erfindung des Würfelspiels schreibt Platon dem ägyptischen Gott Thot zu. Die Würfelspieler Exakt vor vierzig Jahren, 1969, blieb Mahmoud Darwish bei uns in Leipzig. Als ich ihn zehn Tage lang während der Frankfurter Messe 2004 und danach bei der Lesung begleitete, erfuhr ich, wie sehr er sich auch heute noch die Geburt der Kinder wünschen kann - friedvoll, harmlos und wunderschön, wie alle Menschen auf diesem Globus.

"Wir wissen es", schreibt Brecht in seinem Poem "An die Nachgeborenen", "Distorts the trains. Mahmud Darwish verstarb am September 2008 nach einer herzchirurgischen Operation. Ein paar Monate vor seinem Tode hat er sein Langgedicht "Der Würfelspieler" veröffentlicht. Der unmittelbare Bezug, mit dem Darwish diese Drahtseilakt mit Vorstellungen von Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, Zweifeln, Zwietracht, Leid und Verliebtheit kombiniert, macht dieses Poem nicht nur zu einem sehr persönlichem Geständnis, sondern auch zu einem dichterischen Erbe.

Auch wenn der arabische Gedichtband in den vergangenen Dekaden seinen Stellenwert bestritten hat, so ist er doch das ursprüngliche Literaturgenre der Mauren. Es verwundert nicht, dass sich ein Denker wie Hegel in seiner ästhetischen Aussage mitreißen ließ: "Die arabische Welt ist aber von Anfang an ein dichterischer und echter Poet.

"Einer dieser " echten Poeten " ist Mahmoud Darwish, und seine Poesie zählt zweifellos zur Welt Literatur. Schon 1964 richtete sich der 23-Jährige mit einem Programmgedicht im Lyrikband ÖIbaumblätter unmittelbar an seine Leser: "Erwarten Sie nicht, dass ich, mein Vorleser, flüsterle! Sein Gesang, der in den Refrain der 50er und 60er Jahre der maurischen Poesie eingebunden war, war neu, authentisch und einzigartig.

Inspiriert von arabischen Dichtern wie Nizar Qabbani und Abd al-Wahab al-Bayyati, aber auch internationalen Dichtern wie z. B. Aragón, Neruda oder Lorca, denen er ein eigenes Poem gewidmet hat, sind auch diese Strophen voller Sanftmut und Anstand. Durch eine einzige metaphorische Darstellung, die diese Sensibilität gelegentlich bricht, wirft er Licht ins Dichtergedicht.

In diesem Buch ist auch sein damals berühmtes Poem "Identity Card" enthalten: Schreib auf, ich bin ein Arab! Bei den übrigen Palästinensern in Israel wurde dieses Poem über Nacht fast zur Hymne. Sie haben hier einen jugendlichen Poeten gefunden, der ihrem Kampf gegen dauerhafte Ausgrenzung und Obdachlosigkeit im eigenen Lande eine echte Sprache gab.

Mit sieben Jahren floh Darwish mit seiner ganzen Familie in den Libanon. Flüchtling.... Als wir insgeheim über die Grenzen zurückkehrten, haben wir nichts von unseren Überresten und unserer ehemaligen Heimat gefunden. Aus diesem Grund wurden Wörter wie "Reisen" und "Wandern" zu Schlüsselbegriffen in seiner Dichtung. Er widmete sich der Arabischsprache in ihrer ganzen Pracht, hier behielt er seine Selbstverständlichkeit.

Sein Gedicht war immer auf Entdeckungstour zur Dichtung im Alltag. Dabei meistert er alle Mittel der Kunst der arabischen Dichtung sowie die dichterischen Errungenschaften der Neuzeit und nutzt sie souverän. Er hat damit etwas geschaffen, was niemand sonst in der modernen Arabistik erreicht hat: die dichterische Grösse eines Dichters wie Adonis und die immense Beliebtheit eines Qabbani von heute.

Die internationale Modernität des französischen Einflusses hatte Adonis eine maurische Sprache gegeben. Andererseits besiegte Nizar Qabbani mit seiner gewohnten Poesie, vor allem die der Frau, zahllose Herzensangelegenheiten, ohne sich den Fragestellungen der Modernität zu widmen, wie es andere maurische Dichter seit den 60er Jahren intensivtaten. In seiner Poesie verbindet Darwish Modernität mit einer sinnlich realistischen Bildsprache, die ihn zu einem der wichtigsten Erneuerer der maurischen Poesie werden lässt, ohne seine bleibende Beliebtheit zu verlieren.

Der eigentliche Bekanntheitsgrad des Landes beginnt nach dem Sechstage-Krieg von 1967, als die israelischen Truppen innerhalb von sechs Tagen die Armeen von drei Arabern besiegten. Dann wurde dieser palästinensische Poet entdeckt, der es gewagt hatte, seinem überwältigenden Widersacher furchtlos zu sagen: "Schreib auf, ich bin ein Araber! 2. "Mahmoud Darwish wurde von vielen Menschen in der ganzen Araberwelt ins Leben gerufen.

In wenigen Jahren wurde er zum unbestrittenen Poeten des Wiederstands. Er befasste sich in seinen Dichtungen nicht nur mit der Besetzung durch Israel, sondern auch mit der "arabischen Phraseologie", die "für einen ganzen Globus voller Festzelte " zu genügen scheint, wie er einst geschrieben hat. Er vergleicht die Beachtung dieser Poesie in der arabischen Kultur mit einem tradierten Lover, der "in seiner Liebsten nichts anderes findet, als das, was sie zu einer Liebsten macht".

Man kann in dieser Lage diese gesiebte Zuwendung jedoch nicht mit Dankbarkeit akzeptieren, ohne zugleich einzugestehen, dass diese Poeten "es nicht verdient haben, in einer Zeit geweiht zu werden, die weder Heiligkeit noch vollkommene Gewissheit zulässt". Dichterin zu sein, im Bewußtsein der großen Massen in der Araberwelt, bedeutet, ein Hellseher zu sein.

Auf diese Weise wurde Darwish sofort nach 1967 wahr. Im überbordenden Überschwang vergessen sie oft den einfühlsamen, stillen Poeten, der alles in Gedichte umwandeln konnte. "Ich als Intellektuelle konnte diesen Wortlaut nicht akzeptieren", sagte er in seiner Erklärung, "weil er das Recht auf Selbstbestimmung des Palästinenservolkes als Volks nicht anerkennen und die Okkupation nicht nennen will.... Ich behaupte dies, weil ich einen echten Friede und keinen simplen Waffenkampf voller Ursachen für zukünftige Kämpfe anstrebe.... Aber wenn unsere Verhältnisse so wie sie sind, zwischen Herr und Knechten, Besatzern und Besatzern, Leben und Tod, sind solche Verhältnisse nicht friedvoll, weder für uns noch für sie.

Aber es gibt keinen echten Traum vom wahren Friede. VIIIIII Immer wenn Darwish im Begriff war, sich als Poet, als Einzelner, als Mystiker der Worte zu erkennen, brachte ihn die Tragik seines Volks zu den Menschen zurück. Das, was in seinen ersten Dichtungen bisweilen wie ein Aufruf erschien, aber immer noch ein zutiefst gefühlter Schrei war, wurde in seinen Arbeiten, besonders in den vergangenen zweieinhalb Lebensjahrzehnten, zu einem Dialog mit sich selbst.

Der Würfelspieler " lehnt sich als Häftling seines Ruhms gegen das majestätische Abbild einer Sage auf, das ihm andere als Spiegelbild vorwerfen. Er wußte, daß er nach zwei großen Operationen nicht mehr lange zu überleben hatte. Damit wird dieses Poem zum Spiel der Gedanken über die omnipräsenten Todesmöglichkeiten - Flug, Krankheit, Flugzeugabsturz, Schuss, Unfall - Gefährdung von der Jugend bis in das Jahr, in dem er gestorben ist.

Was könnte diese Begierde so stark, so anregend, so widersprüchlich wie in seinem Poem "An einem Tag wie diesem" formulieren: Nur dieser: Ein Liebhaber aus Palästina ist einer seiner ersten Dichterbände. Darwish sagte in einem Interview: "Poesie bringt Menschen zusammen und vertreibt sie nicht.... Sie spiegelt das Staunen des ersten Menschen, die Begeisterung des Universums und die Furcht vor dem Vergänglichen wider.

"Das ist es, was Mahmoud Darwish so einmalig macht. Welch eine Grösse der Menschheit und Visionskraft muss ein Dichter haben, um die folgenden Worte in einem Poem zu verfassen, das er an seinen Widersacher wendet und dem er den Namen "An einen anderen Mörder" gab: Darwish spielt auch hier ein Denkspiel über Möglichkeiten wie in seinem Poem "Der Würfelspieler".

Die einzige Möglichkeit in der modernen Zeit, in der Gut und Böse austauschbar zu sein scheint, kann nur das friedliche Zusammenleben von Menschen und Kultur sein. Mahmoud Darwish hat in seinen Dichtungen wie kein anderer diese Vorstellung von einem fairen, nachhaltigen und ganzheitlichen Frieden jenseits von Besetzung, Vernichtung und gegenseitigem Abrieb zu gestalten gesucht, einem Frieden, der den Austausch zwischen zwei Menschen und zwei Ansichten begünstigt, ohne dass sich die eine der anderen zwangsläufig aufdrängt.

Er war sich dessen bewußt, daß "der Bodenkampf von Beginn an von einem Ringen um die Geschichte und die Zeichen begleitet war", wie er im Aufsatz Das allmähliche Verbannen schreibt, und er sah das Bildnis Davids in der Phantasie der ganzen Menschheit "Goliaths Rüstung" tragen, während Goliaths Bildnis den Davidsstein in seiner Hand zuhält.

Im antiken Jerusalem, innerhalb der antiken Stadtmauern, sah Darwish die Wahrsager die Heiligtumsgeschichte teilen, während in Wirklichkeit die Aufzeichnungen der jüngeren Stadtgeschichte mit Hilfe von Gewehren auf die Leichen der Menschen geschriebe. So lange dieser Zyklus nicht unterbrochen wird, wird es keinen Ruhe und Harmonie in der Großstadt geben.

Nicht entschuldigen für das, was Sie getan haben (2004), hört sich in seinem Buch "In Jerusalem" so an: Mit wenig Lichter? Das ist eine große Aufgabe. Darwish will in seinem Poem "The Peace" ebenso wie in dem Poem "The Dicer" behaupten, dass alles anders sein könnte. "Mehr als vier Jahrzehnte lang war Darwish nicht nur eine palästinensische Idylle; er gilt als der grösste lebendige Poet der Arabischsprache par excellence und einer der wichtigsten Erneuerer der Arabisch-Poesie.... Vielleicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit beklagten Araberkönige und -präsidentinnen den Tode eines Dichters", schreibt der Jordanier Fakhri Saleh in seinem Trauerbrief in der Neuen Züricher Zeitung. Das ist ein sehr wichtiges Thema.

Mahmoud Darwish hat wenige Tage vor seinem Tode im Jahr 2008 sein Langgedicht "Der Würfelspieler" in der Londoner Tageszeitung Al-Quds al-arabi veröffentlicht. Schon mit den ersten Strophen beginnt Mahmoud Darwish eine unerbittliche Selbsteinschätzung, die sein spätes Werk bestimmt. Der unmittelbare Bezug, mit dem Darwish diesen Balanceakt mit Vorstellungen von Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, Zweifeln, Zwietracht, Furcht und Leidenschaft kombiniert, macht dieses Werk zu einem schriftstellerischen Erbe.

Die Gedichtbände vereinen den Arabischtext und seine Übersetzung ins Englische durch den befreundeten Poeten Adel Karsholi, der auch das Geleitwort schrieb. Wer dieses Buch gelesen hat, sollte wissen, wer es verfasst hat - am besten wie die arabische Leserschaft. In einem der vor seinem Tode entstandenen Schriften kommt der grösste Palästinenser aller Völker von dem von seinen Anhängern gebauten Sockel herunter und redet als einer von ihnen, "oder etwas weniger".

Natürlich ist im Verborgenen eine andere Stelle am Werk: Es geht um die letzte Sache, wenn auch in bewußt schlichter Form, und so steht "The Dice Player" auch in der Überlieferung von Stéphane Mallarmes berühmtes Poem "Un coup de dés" ("A Dice Throw"), das es zugleich erdig macht. Das 40-seitige Poem könnte man als dichterische Biografie bezeichnen, die Suche des Poeten nach seinem Schicksal und seiner eigenen Persönlichkeit in einer von Gott aufgegebenen Zwischenwelt.... "Wie einfach wäre es, nicht zu sein!

Abgerundet wird der Umfang durch ein sensibles Geleitwort des langjährigen Freundes von Darwish. Vor einem Jahr, kurz vor seinem Tode im Monat September, rollt ein Würfel, als ob der Poet mit etwas Glueck das Los in Gestalt seiner Herzerkrankung wieder in die Knie gezwungen haette. Wir sprechen von Mahmoud Darwish, dem grössten und populärsten Araber unserer Zeit, der Literaturstimme Palästinas.

Das Gedicht des 1941 in Galiläa geborenen Menschen hat verschiedene Etappen hinter sich, von sehr einprägsamen, oft musikalisch umgesetzten Schriften in den 1960er Jahren bis hin zu sehr komplexen Wortbildungen in den 1980er und 1990er Jahren, aufgeladen mit Sagen und Symbolik. Der Würfelspieler ", jetzt in einer deutsch-arabischen Fassung erschienen, verbindet das Bestmögliche aus beiden Epochen.

Wie bei den Arabern sollte man wenigstens eine Idee haben, wer dieses Poem schrieb. Wo in der klassizistischen Dichtung die Poeten noch eine hervorragende Stellung einnehmen und poetisches Eigenlob eines der populärsten Gattungen ist, kommt im vorletzten langen Poem vor seinem Tode der grösste Palästinenser auf den Sockel, den seine Anhänger für ihn gebaut haben.

Der Würfelspieler " folgt damit natürlich der Überlieferung von Stéphane Mallarmés berühmtem Poem "Un coup de dés" ("Ein Würfelwurf"), das hier auf Darwish's bewußt einfacher arabischer Ausdrucksweise basiert. Der Würfelspieler ist ja nichts anderes als ein (vor)islamischer Gott, wie es in der präislamischen Poesie bereits gesungen wurde, auf die Darwish im Laufe des Texts ebenso anspielte wie auf den Qur?an, mit dem Punkt, dass Mohammeds Initiationserfahrung, die Auseinandersetzung mit dem Erzengel Gabriel, in Darwish als ein Zusammentreffen mit einer ihn ansprechenden Illusion erscheint: "Lesen!

"Man könnte das 40-seitige Poem eine erfundene dichterische Biografie bezeichnen, die Suche des Poeten nach seinem Schicksal und seiner eigenen Persönlichkeit in einer vom Schicksal geprägten und von Gott vernachlässigten Welt: "Wie leicht wäre es nicht zu sein! Wenn der Kubus anders heruntergefallen wäre, hätte die Story zugunsten der palästinensischen Bevölkerung ausfallen können, die spätere Interpretation der Historie ist willkürlich: Und durch den Zufall erklärt:?

Abgerundet wird der Umfang durch ein sensibles Geleitwort von Karasholi, der ein guter Freund von Darwish war. NOTHING AS A DICE PLAYER I AM.... kurz vor seinem Tode im Juli 2008 publizierte der Palästinenser Mahmud Darwisch (auch Mahmoud Darwish) das mehr als zwanzigseitige Werk DER WÜRFELSPIELER in der Londoner Tageszeitung Al-Quds al-arabi.

Der zweisprachige Texter und Texter hat nicht nur eine sehr schöne Umsetzung geschafft: Im außergewöhnlich langem Geleitwort MAHMOUD DARWISH UND DIE FAA MARGANA DES FREDENS beschreibt er auch das literarische Begleiterleben auf eine sehr persönliche und liebevolle Art und Weise. 2. Adele Karascholi verabschiedet sich von einem ganz speziellen Menschen, der als einer der herausragendsten Poeten der Araberwelt und als die dichterische Gesangsstimme des Palästinenservolkes angesehen wird.

Darüber berichtet er auch in WÜRFELSPIELER. Im Alter von siebzehn Jahren veröffentlichte er sein erstes Poem und wurde sofort inhaftiert. Obdachlosigkeit begleitete ihn bis zu seinem Tode; auf die Frage WER ICH BIN OHNE EXIL? schrieb er: Mahmud Darwisch ist vielleicht der bisher Einzigste, dem es gelungen ist, die Poesie des Arabischen mit der modernen europäischen Literaturgeschichte durch schöpferische Eingebung zu versöhnen.

Sein Gedichtband erreichte Millionen von Exemplaren, und das in der gesamten Arabischen Republik, wo immer noch etwa 60% der Einwohner ungebildet sind. Möglicherweise tragen die Überlegungen von Mahmud Darwisch dazu bei, dass der WÜRFELSPIELER die deutschen Übersetzungen liest und versteht. Mahmud kombiniert in seiner Direktheit Sinnlosigkeit und Hoffnungslosigkeit, Uneinigkeit, Leid und Verliebtheit und macht dieses Poem nicht nur zu einem sehr persönlichem Geständnis, sondern auch zu einem dichterischen Erbe.

Ausgehend von arabischen Dichtern wie Nizar Qabbani und Abd al-Wahab al-Bayyati, aber auch internationalen Dichtern wie z. B. Neruda, Brecht, Lorca und Aragón, sind seine Strophen trotz Wut und Trauer voller Zartheit. Im Jahr 2004 schreibt er in seinem Poem IN JERUSALEM: "Plötzlich weinte ein Soldat: Du schon wieder? Im Jahr 2008 hat er in WÜRFELSPIELER geschrieben: und das Nichts zu enttaeuschen.

Nicht nur die israelische Besetzung und seine Herzkrankheit beschäftigen Mahmud in WÜRFELSPIELER. Er berichtet weiter über Zufälle, über Hoffnung und Frieden: Friede bedeutet, den eigenen Hof zu kultivieren und zu fragen: Was werden wir in Zukunft bepflanzen? Mahmud Darwish - Algerien 1983 ("Eloge de l'ombre").

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